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Personality
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Enneagramm Ego 7
"Über-Idealist"

enneagram

Dieses Ego beschreibt eine Person, die alles ergreifen will, das außerhalb der momentanen Kapazitäten und Möglichkeiten liegt, weswegen diese nur wenig Bescheidenheit mit den eigenen Zielen und mit der eigenen Persönlichkeit zeigt. Das grundlegende Problem dieses Egos ist es jedoch, dass es sich verloren fühlt nicht weiß, wo es im Leben genau hin soll, weswegen es sich selbst umfangreiche Pläne auferlegt, mit welchen es das eigene Leben versucht zu definieren. Der Über-Idealist lebt als ein unauthentisches Wesen in der Vergangenheit, welche es konstant kritisiert und in der Zukunft, welche es sich konstant erträumt. Wo es jedoch nicht lebt, ist in der Gegenwart, der einzige reale Zustand. Der Idealist verfällt deswegen in eine Endlosschleife, bei der er die Realität ständig reformieren und neuplanen will, wobei er immer idealere Pläne für die Zukunft entwickelt. Kein gegenwärtiger Zustand, kein Hobby und keine Errungenschaft scheint ihn jedoch davon abzuhalten, seine derzeitige Lebenssituation letztendlich als nicht weniger minderwertig und unerfüllend wie die letzte zu empfinden. Definiert wird dieses Ego auch durch eine überlegene Grundeinstellung, die eine Reaktion auf ein Abwertungstrauma ist; welche jedoch auch in Phasen des niedrigen Selbstbewusstseins und der Orientierungslosigkeit übergehen kann.

Weiters existieren innerhalb dieses Ego zwei verschiedene Charaktere beziehungsweise Realitäten: Der Über-Idealist auf der einen Seite und der Unter-Idealist auf der anderen. Der Unter-Idealist ist eine Person mit niedrigem Selbstbewusstsein, die Schwierigkeiten damit hat, die eigenen Pläne zu realisieren, weswegen sie sich wie ein Versager fühlt; sie denkt, vom sozialen Umfeld ausgeschlossen zu werden, weswegen sie in diesem konstant nach Bestätigung sucht. Der Über-Idealist ist eine überhebliche Person, die ein übertriebenes Selbstbewusstsein hat und denkt, alle Herausforderungen und Pläne mittels diesem meistern zu können; dieser Hochmut kann sie jedoch in unerwartete oder ungemütliche Situationen bringen. Dabei kann eine einzelne Person im Laufe des Lebens beide Charaktere verkörpern; sogar zur gleichen Zeit. In den folgenden Abschnitten wird die Gesamtheit dieses Ego-Fixerung erklärt.

Ego-Charakteristiken

Ego-Fixierung: Idealist

Diese Fixierung verinnerlicht das eigene Werk und den eigenen Tatendrang, was ein starkes Merkmal ihrer immensen Subjektivität und ihrer Denkweise ist. Wegen dieser Verinnerlichung formen sie durchdachte, ausgefeilte Pläne, mit welchen sie sich bessere Arbeits- und Lebensumstände erträumen. Diese subjektiven Pläne führen jedoch zur Vernachlässigung realer, gegenwärtiger Umstände, was sowohl in einen mangelnden Tatendrang als auch in eine fehlende Anpassungsfähigkeit gegenüber der Realität resultiert. Da sie Schwierigkeiten dabei haben, sich ihrem sozialen, gesellschaftlichen Umfeld anzupassen und weil sie sich von diesem abgewertet fühlen, wollen sie dieses stattdessen an ihre eigenen subjektiven Vorstellungen und Pläne anpassen. Diese Vorstellungen und Pläne sind mit idealen Lebenssituationen verbunden, welches sich dieses Ego konstant erträumt. Es will mit seinen konstanten Bemühungen eine Position im Leben erreichen, welcher als ein Zustand über allen Limitierungen der eigenen suboptimalen Existenz existiert. Dieses Ego will sich selbst als Autoritätsperson oder revolutinäre Kraft verwirklichen, da man als solche am ehesten eine hohe Position gegenüber der Welt erreicht, um die eigenen Pläne und den eigenen Idealismus durchzusetzen.

Auslöser: Abwertung durch soziale Umgebung

Fühlte sich in der Kindheit vom sozialen Umfeld abgewertet und kritisiert, weswegen sie sich nach einer Zukunft sehnen, bei der sie eine Position im Leben erlangen, die alle Defizite ihrer Vergangenheit kompensiert. Diese Abwertung kann entweder mit Mobbing gleichgesetzt werden oder auch mit der Einschränkung der eigenen Wünsche, Ziele und Bedürfnisse durch Autoritätspersonen und der Welt als ganzes. Dieses Ego hat deswegen auch eine ausgeprägte Sensitivität gegenüber Situationen von Überlegenheit und Unterlegenheit im Bezug zum sozialen Umfeld, da es fürchtet, abgewertet zu werden.

Dichotomie: Bereich der Position und Autorität

Der Idealist bewegt sich zwischen zwei Extremen im Bereich der Position und Autorität. Dieser Bereich umfasst alle Strukturen des gesellschaftlichen Establishments, der Autorität und der eigenen Position innerhalb sozialer Strukturen. Dieses Ego hat eine außerordentlich paranoide und skeptische Einstellung gegenüber Autoritätspersonen und gesellschaftlich-sozialen Strukturen, da es zutiefst davon überzeugt ist, dass diese sowohl ihre Individualität als auch ihr Potenzial untergraben. Das macht sie zu unanpassungsfähigen Einzelgängern, die eine selbstgefällige Haltung einnehmen; oft auch, weil sie von anderen nicht akzeptiert und verstanden werden. Auf der anderen Seite, paradoxerweise, strebt dieses Ego nach Führungspositionen, mittels welchen es anstrebt, nicht mehr durch Autoritätspersonen oder Strukturen unterdrückt zu werden. Die Verwirring der Gedanken ist das Gift dieses Bereichs, da negative soziale Ereignisse ihre Emotionen und ihr Selbstbewusstsein schnell durcheinander bringen.

Ego-Trugbild: Planung

Trugbild dieses Egos ist es, dass es sich selbst idealistische, maßlose Pläne auferlegt und dabei sowohl die Umstände der unmittelbaren Gegenwart als auch sich selbst zu vergessen. Es definiert seinen eigenen Lebenssinn mittels dieser Pläne und fühlt sich leer, orientierungslos, wertlos und demotiviert, wenn etwas nicht so läuft, wie erwünscht. Fällt dementsprechend in Phasen, in welchen es versucht, neue umfangreiche Pläne zu schmieden, um die eigene Position im Leben aufzuwerten.

Ego-Projektionen:

Dieses Ego will sich selbst als eine begabte, einsichtsvolle und kluge Person wahrnehmen, die ein cleverer Organisierer und Planer mit einer optimistischen Vorgehensweise ist. Die Realität dieser Fixierung wird von anderen als die Projektion einer Person wahrgenommen, die ein depressiver und unpraktischer Träumer ist, welche vertieft in den eigenen Status und die eigene Überlegenheit ist und gleichzeitig maßlose, unreife, undisziplinierte Verhaltensweisen zeigen kann.

Ego-Position: Selbstgefälligkeit

Die komplexe postraumatische Belastung dieses Egos, bei welchem sie von anderen (Gesellschaft) in der Kindheit abgewertet wurden, erzeugt die Ego-Position der Selbstgefälligkeit. Da sie sich nicht mit dem Gedanken zurechtfinden konnten, von Gleichaltigen, Autoritätspersonen oder der Welt unterdrückt oder abgewertet zu werden, entwickelten sie ein starke Sensitivität im Bezug zu ihrem eigenen Selbstrespekt und ihrer Position in der Welt. Dies kann in eine aufgespannte, überlegene Persönlichkeit resultieren, die sich vehement gegen bestehende Strukturen stellt.

Ego-Rechtfertigung: Mehrdeutigkeit

Neigt dazu, mit der eigenen Ausdrucksweise andere Menschen in bestimmte Richtungen lenken zu wollen. Die eigene Wahl der Worte hat dabei eine doppeldeutige Bedeutung in dem Sinne, dass sie eine versteckte Absicht beinhalten könnte, welche mit ihren Plänen zusammenhängt. Ihre Ausdrucksweise ist absichtlich sehr vage und unspezifisch.

Ego-Ausgleicher: Selbstbewusstsein & Selbstrespekt

Nimmt sich selbst als sehr selbstbewusst und mit Selbstrespekt wahr, um die eigene Position in der Welt aufrechtzuerhalten.

Ego-Reaktion: Launenhaftigkeit

Die plötzliche Reaktion des Egos, sich nicht mehr sicher zu sein, was genau es überhaupt glücklich machen würde, weswegen es von einem Moment auf den anderen Pläne ändern könnte.

Ego-Verunsicherung: Rivalitäten

Ungleichgewicht im Bereich der Position und Autorität führt zu Rivalitäten.

Passion: Maßlosigkeit

Will alles ergreifen, das außerhalb der eigenen momentaren Fähigkeiten und Kapazitäten liegt. Ist alles andere als Bescheiden mit der eigenen Persönlichkeit, mit den eigenen Zielen und dem Streben nach Erfolg. Nachdem sie mit schwierigen Herausforderungen aufgewachsen sind, sehnen sie sich nach einem Leben jenseits der Beschränkungen, die ihnen außerhalb ihrer Kontrolle durch ihr negatives soziales Umfeld auferlegt wurden.

Tugend: Vernunft / Mäßigkeit

Muss realisieren, dass man durch Überlegenheit und Planung alleine nicht glücklich wird und man mittels einer Weiheit stammend von Erfahrung vorgehen muss. Sieht dabei ein, dass Glücklichkeit als ein Prozess existiert und nicht als ein Plan oder Ziel in der Zukunft.

Falltür: Idealismus

Der konstante innere Zwang dieses Egos, immer altruistische, idealistische Pläne zur Verbesserung ihrer Umgebung und der Leben anderer Menschen zu verfolgen, kann auch auf das eigene Leben angewendet werden. Dies kann zu einem objektiven Verständnis führen, mit welchem das eigene Leben mit der Hilfe eines vernünftigen Idealismus geplant und gelebt wird, was zu einem höheren Zustand des Ichs führt.

Heilige Idee: Weisheit / Werk

Die Gegenwart fühlt sich für den Idealisten im Grunde wie eine Landschaft an, welche dazu da ist, diese mit den eigenen Plänen und Träumen zu übermalen. Er hat deswegen jedoch nicht die Weisheit, wie man in der unmittelbaren Gegenwart existiert und funktioniert. Sein Mangel eines authentischem Bezugs zur Welt zeigt sich in allen Lebensbereichen, vor allem in sozialen. In sozialen Situationen handelt er exzentrisch, unnatürlich und ungeduldig; er begreift den natürlichen Prozess von sozialen Interaktionen nicht, da er diesen nicht einfach freien Lauf lassen kann, sondern unmittelbar bestimmte Zukunfts-Fantasien erwzingen will, die mit seinen subjektiven Plänen zusammenhängen. Das distanziert ihn vom unmittelbaren Geschehen seines sozialen Umfelds und führt oft zum unfreiwilligen Rückzug - soziale Interaktionen können sich leer und unerfüllend anfühlen. Durch die Weisheit des Lebens, welche zum Zustand der vollständigen Präsenz führt, lernt er, nicht mit seinem Idealismus und Plänen gegen die natürlichen Prozesse der Gegenwart zu arbeiten; er lernt, nicht nur in der Zukunft zu leben oder nicht nur im Sinne seiner Pläne zu handeln, sondern die Gegenwart unverfälscht und natürlich zu erleben.

Problematik: Träumer

Lebt in den eigenen Träumen und wird von oft von Fantasien geleitet. Sie sind an externe Faktoren schlecht angepasst.

Unmoralische Belastung: Zwiespältigkeit

Dieses Ego hat Gefühle der Ambivalenz gegenüber anderen Menschen und seinen eigenen Entscheidungen, da es sich einerseits äußerst selbstbewusst und gerissen fühlt, andererseits aber widersprüchliche Gedanken und selbstverursachten Stress hat. Diese Ambivalenz verringert ihre Motivation und lässt sie an ihren Plänen und Lebensentscheidungen zweifeln.

Existenzielle Haltungen: Vorurteilsfrei - Abwertend

Ist auf der einen Seite frei von Vorurteilen, aber auf der anderen abwertend.

Abwehrmechanismen: Verschiebung, Dissoziation

Bei Verschiebung werden negative Gefühle und Gedanken auf ein Objekt oder eine Person übertragen, die nichts damit zu tun haben. Beispielsweise hatte die Person ein negatives Erlebnis und verschiebt die eigenen negativen Emotionen dann mittels verbaler Aggression oder Beschwerden auf Menschen in ihrer Umgebung. Bei Dissoziation trennt sich die Person von der unmittelbaren Erfahrung eines Moments, um sich zu schützen, als wäre sie ein unbeteiligter Beobachter getrennt von ihrem Körper oder Geist. Beinhaltet in gegebenen Situationen auch die Dissoziation von Affekt und Emotionen. Idealisten haben oft eine sensible Innenwelt, neigen jedoch dazu, diese mit einem seelischen Schutzwall zu schützen, weswegen sie dissoziieren.

Kompensationsmechanismus: Wollust

Könnte in jegliche physische Stimuli eintauchen, um ein stärkeres Gefühl der Realität zu bekommen.

Mögliche Störung: Schizotype Persönlichkeitsstörung

Bei vereinzelten, extremsten Ausprägungen dieses Egos ist es möglich, dass es der schizotypen Persönlichkeitsstörung ähnelt.

Weg der Selbstwirklichung: Anwesenheit

Der Weg des Idealisten ist es, sich selbst, beziehungsweise seine wahre Form im Hier und Jetzt zu finden. Dies führt sie zu einem Idealismus, der ihm die Weisheit zeigt, wie er sich selbst von dieser Fixierung loslösen kann.

Bereich der Position und Autorität

Repräsentierende Charaktere

Hochmütiger Charakter(Über-Idealist)

Ein hochmütiger und arroganter Charakter, der über ein übertriebenes Selbstbewusstsein verfügt und denkt, mittels diesem Selbstbewusstsein sowohl alle Herausforderungen des Lebens zu meistern als auch die eigenen Pläne realisieren zu können. Hat mehr Selbstbewusstsein, als in bestimmten Situationen sinnvoll wäre, was sie in ungemütliche oder unerwartete Situationen bringen kann.

Verlierer(Unter-Idealist)

Ein Charakter mit niedrigem Selbstbewusstsein, der es nicht schafft, die eigenen Wünsche und Pläne in der Welt zu realisieren, weswegen er sich wie ein Versager fühlt. Denkt, vom sozialen Umfeld ausgeschlossen worden zu sein, weswegen er von diesem konstante Bestätigung seiner Selbst sucht, um sich weniger minderwertig zu fühlen.

Positive Bereiche

Selbstachtung

Hat ein hohes Maß an Selbstrespekt und ist sich den eigenen Stärken bewusst. Erlaubt es anderen nicht, über die eigenen Makel zu entscheiden oder zu urteilen.

Bescheidenheit

Ist ironischerweise fähig, ein bescheidenes Leben zu führen und von vielen materiellen Dingen, Begierden und Wünschen abzusehen, die andere Menschen als Notwendigigkeit betrachten würden.

Negative Bereiche

Überlegenheit

Besitzt einen Überlegenheitskomplex und zeigt sich generell mit einem zu selbstbewusstem Verhalten, bei welchem sie sich selbst überschätzen. Kann nach hinten losgehen und die eigenen Pläne vereiteln.

Unterlegenheit

Wenn sie einer Situation nicht gewachsen sind, kommen Minderwertigkeitsgefühle zum Vorschein, die ihnen sehr schmerzvolle Gedanken und Selbstzweifel bereiten. Könnte unterbewusst Rivalitäten entwickeln.

Ein Ungleichgewicht in diesen Bereichen kann zur Verwirrung der Gedanken oder zur Mythomanie führen; im schlimmsten Falle zu Wollust, mit der sie ihren eigenen Stress versuchen zu bewältigen.

Verwendete Literaturen

Alles auf dieser Seite wurde selbstständig von Advanced Personality verfasst.