Enneagramm Ego 6
"Über-Abenteurer"
Dieses Ego beschreibt eine Person, die sich auf Grund einer dysfunktionallen Anpassungsfähigkeit gegenüber der Welt und der Gesellschaft überfordert fühlt und ein mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten besitzt. Ursache dessen ist eine Kindheit, in welcher das Bedürfnis Dinge zu lernen und zu tun, durch negative soziale Faktoren stark unterdrückt wurde. Das zeigt sich als ein Misstrauen gegenüber der Gütigkeit der Menschheit und der Welt, wodurch sich ein zynischer Blick und eine tiefgreifende Paranoia entwickelt. Dieses mangelnde Vertrauen kann dazu führen, dass sie anfangen sich abzuschirmen, zu verstecken und sich nicht an schwierige Herausforderungen zu wagen; ebenso ist es dadurch möglich, dass solch eine Person inkonsistente Verhaltensweisen zeigt, bei welchen sie spontan ihre Meinung und ihren Lebensweg ändert, um vor schwierigen Lebenssituationen zu flüchten - dabei ist sie nie ganz sicher, ob ihr derzeitiger Weg auch wirklich der richtige ist. Da dieses Ego die Intensität von Erlebnissen daher überschätzt, fühlen sich Situationen oft wie Abenteuer an, für welche viel mentale Stärke aufgebracht werden müssen, um diese zu bezwingen. Um das auszugleichen, entwickelt der Abenteurer eine Fixierung auf den Bereich der Arbeit und Aktivität, der sowohl die Produktivität mit dem eigenen Leben und der Arbeit beinhaltet als auch einen Hang zur spontanen und aktiven Freizeitgestaltung. Das tut er, um seine Sorgen, Ängste und sein Gefühl der Nutzlosigkeit im Bezug zu Situationen und der Welt zu überwinden. Dabei nimmt er entweder eine aggressive Vorgehensweise an, mit der er die Welt bezwingen will oder schirmt sich aus Paranoia vor möglichen Herausforderungen ab.
Weiters existieren innerhalb dieses Ego zwei verschiedene Charaktere beziehungsweise Realitäten: Der Über-Abenteurer auf der einen Seite und der Unter-Abenteurer auf der anderen. Der Unter-Abenteurer ist eine Person mit wenig Motivation und Selbstbewusstsein, die zu Prokrastination neigt und schnell aufgibt; sie vermeidet es auch, sich einen aktiven und ambitionierten Lebensstil zu widmen und ist geprägt durch Gefühle der Angst und Nutzlosigkeit. Der Über-Abenteurer hingegen ist eine Person, die stark darin vertieft ist, die eigene Produktivität zu erhöhen, während diese zielstrebig Ambitionen und bestimmte Aktivitäten verfolgt; sie ist ein hartnäckiger Workaholic, der einen hyperaktiven Lebensstil hat und sich bis in die Erschöpfung arbeitet. Dabei kann eine einzelne Person im Laufe des Lebens beide Charaktere verkörpern; sogar zur gleichen Zeit. In den folgenden Abschnitten wird die Gesamtheit dieser Ego-Fixerung erklärt.
Ego-Charakteristiken
Ego-Fixierung: Abenteuerer
Diese Fixierung verspürt den am stärksten ausgeprägten Mangel in ihrem Tatendrang und ihrer Anpassungsfähigkeit. Sie wissen nicht, wie man sich mit Situationen zurechtfindet. Als Reaktion darauf machen sie Produktivität und Zielstrebigkeit zu ihrer Priorität und werden damit sogar äußert aufdringlich; ihnen fehlt jedoch eine gewisse Genauigkeit und ein gutes Planungsvermögen in ihrer Vorgehensweise, weswegen sie unorganisiert und hektisch werden, was zu Abenteuer voller Fallen, Gefahren und unerwarteter Situationen führt. Sie werden dabei auch sehr anhänglich gegenüber ihrer eigenen Arbeit und Aktivitäten, da ihre unproduktiven, panischen Angewohnheiten ihnen letztendlich noch mehr kompensatorische Arbeit einbringen. Um den Problemen seiner Welt entgegenzusteuern, könnte dieses Ego plötzlich äußerst spontane, hyperaktive und risikofreudige Verhaltensweisen zeigen und unnachgiebig einer Aktivität und Herausforderung nach der anderen nachgehen.
Fühlte sich als Kind im Verhältnis zu Gleichaltrigen, Geschwistern und im Angesicht der Welt verlassen und nutzlos, da sie kaum die Möglichkeit hatten, sich selbst mittels Tun und Lernen an die Welt und dessen Herausforderungen anzupassen. Hat deswegen das Gefühl, auf alle Situationen der Realität unvorbereitet zu sein, woraus Ängste entstehen. Die eigenen Aktivitäten werden deswegen zu Abenteuern in einer Welt, die für sie aus Schatten und Dunkelheit besteht, in welcher sie ein selbstzerstörerisches Bild von sich haben.
Dichotomie: Bereich der Arbeit und AktivitätBewegt sich zwischen zwei Extremen im Bereich der Arbeit und Aktivität. Dieser Bereich umfasst die Produktivität mit der eigenen Arbeit und mit Freizeitaktivitäten. Sie streben daher Tätigkeiten an, bei denen sie ein Gefühl der Verantwortung kultivieren können oder auch welche, die ihr Leben aktiver und abenteuervoller machen. Eifersucht ist das Gift dieses Bereichs, da sie auf die Kompetenzen von Menschen eifersüchtig sind, die sich in der Welt besser zurechtfinden können.
Ego-Trugbild: FeigheitIhr Trugbild ist Feigheit, da sowohl ihre übertriebene Angst als auch ihr Stress ihre Wahrnehmung zu Dingen verzerrt. Diese Verzerrung der Wahrnehmung gibt ihnen das Gefühl, dass jedes ihrer Vorhaben wie ein Abenteuer ist, das sie zu bezwingen haben, um an mehr Stärke zu gelangen.
Ego-Projektionen:Dieses Ego will sich selbst als einen Innovator und Erfolgsmensch wahrnehmen, der gleichzeitig mutig ist und eine stürmische Entschlossenheit und ritterliche Loyalität hat. Die Realität dieser Fixierung wird von anderen als die Projektion einer Person wahrgenommen, die ein extremer Workaholic sein kann, der aber gleichzeitig in Phasen der Inaktivität verfällt und ängstliche, feige, paranoide und verunsicherte Tendenzen zeigt.
Ego-Position: SelbstzerstörerischSelbstzerstörerisch im Sinne davon, dass sie projezieren, einer überwältigenden und unberechenbaren Welt gegenüberzustehen, weswegen sie generell immer das Schlimmste erwarten. Dies resultiert in eine abweisende Haltung gegenüber der Welt und in eine selbstzerstörerische Position, die von mangelndem Selbstbewusstsein geprägt ist.
Ego-Rechtfertigung: BerechnungSie rechtfertigen sich mit einer berechnenden Denkweise, bei der sie alle möglichen Risiken in Betracht ziehen. Diese Schlussfolgerungen verwenden sie dann, um ihre Argumente, meist die ihrer Ego-Position, zu untermauern.
Ego-Ausgleicher: Verantwortungsvoll & gelassenUm die Sorgen ihrer Ego-Fixierung auszugleichen, nehmen sie sich zum einem als sehr verantwortungsvoll und zum anderen als gelassen wahr.
Ego-Reaktion: SpontanitätDie plötzliche Reaktion des Egos, gegen Ängste und Stress anzukämpfen und sich auf "Abenteuer" einzulassen, indem sie vorgeben, eine spontane oder libertine Person zu sein.
Ego-Verunsicherung: SorgenUngleichgewicht im Bereich der Arbeit und Aktivitäten führt zu akuten Sorgen bezogen auf ihre eigene seelische Stärke.
Passion: AngstIhr eigenes Gefühl der Nutzlosigkeit im Alltag verleitet sie zur Passion der Angst. Diese macht sie misstrauisch und gibt ihnen den Glauben, dass sie sich auf Grund ihrer fehlenden Erfahrung zu Situationen ständig in unmittelbarer Gefahr befinden.
Dieses Ego muss den Mut finden, sich den Herausforderungen der überwältigenden Welt zu stellen und die Grenzen der eigenen Angst zu überschreiten.
Falltür: SicherheitDa dieses Ego einen inneren Drang nach Sicherheit verspürt, kann es dieses Gefühl auch auf die Welt unmittelbar anwenden, um der eigenen unstillbaren Neugier nachzugehen, diese Welt zu erkunden und von dieser zu lernen. Diese Sicherheit wird zusammen mit der Tugend dieses Egos die Falltür in einen höheren Zustand des Ichs.
Heilige Idee: StärkeHeilige Stärke ist das, was diese Fixierung erlöst. Diese bringt Selbstbewusstsein und die Fähigkeit mit sich, sich voll auf alle Herausforderungen des Lebens einzulassen, auch wenn der Weg Schmerz beinhalten kann.
Problematik: VerängstigungDie Schwierigkeit ihres Alltags ist es, konstant mit einem Gefühl der Verängstigung zu leben und sich deswegen Herausforderungen nicht zu stellen.
Unmoralische Belastung: VerleugnungDieses Ego verleugnet Prozesse der Realität und projeziert dies dann sowohl auf sich selbst und andere Menschen. Diese Verleugnung ist das Produkt von abweisenden Projektionen basierend auf Angst.
Existenzielle Haltungen: Umgänglich - ÜberwältigendIst umgänglich auf einer Seite, aber überwältigend auf der anderen Seite.
Abwehrmechanismen: Projektion, KonversionProjektion ist ein Mechanismus, bei welchem eigene negative Gedanken, Gefühle, Handlungen und Wünsche auf andere Menschen übertragen und ihnen zugeschrieben werden. Dadurch können imaginäre Bedrohungen und Eigenschaften in anderen wahrgenommen werden, welche tatsächlich aber nur im Kopf dieses Egos existieren. Gegenteil von Introjektion. Bei Konversion werden eigene akute Ängste oder Stress in physische Symptome umgewandelt, was zu Einschränkung motorischer oder anderer körperlicher Funktionen führen kann.
Kompensationsmechanismus: PanikDurch ein Ungleichgewicht im Bereich der Arbeit und Aktivität kommt es zu einem panischen Rückzug aus Situationen, die sie denken, nicht kontrollieren zu können.
Mögliche Störung: Paranoide PersönlichkeitsstörungBei vereinzelten, extremsten Ausprägungen dieses Egos ist es möglich, dass es der paranoiden Persönlichkeitsstörung ähnelt.
Weg der Selbstwirklichung: ErrungenschaftDer Ausweg des Abenteurers ist der Weg der Errungenschaft, bei welchem sie ein Leben mit Ambitionen verfolgen und trotz ihrer Sorgen auf ihrem Weg nicht aufgeben. Dieser Weg wird durch die Tugend des Mutes unterstützt, mit welcher sie Sicherheit mit sich selbst erlangen.
Bereich der Arbeit und Aktivität
Repräsentierende Charaktere
Workaholic(Über-Abenteurer)Dieser Charakter ist darin vertieft, die eigene Produktivität zu erhöhen und zielstrebig Ambitionen zu verfolgen, wobei sie durch ihre energische Art hoffen, dass alles so funktioniert, wie erwünscht. Dies ist ein hartneckiger Workaholic, der sich selbst bis in die Erschöpfung arbeitet und einen hyperaktiven Lebensstil hat.
Müßiggänger(Unter-Abenteurer)Dieser Charakter ist eine Person mit wenig Motivation und Selbstbewusstsein, eine faule, prokrastinierende Person, die schnell aufgibt und sich nicht den Herausforderungen der Welt stellt und es vermeidet, sich einem aktiven und ambitionierten Lebensstil zu widmen. Ist geprägt durch ein tiefgreifendes Gefühl der eigenen Nutzlosigkeit und Mutlosigkeit.
Positive Bereiche
ArbeitZeigt einen produktiven Lebensstil, bei welchem sie harte Arbeit leisten. Fühlt sich erfüllt dadurch, die eigenen Kompetenzen für etwas sinnvolles nutzen zu können.
VergnügungIst fähig, sich zu vergnügen und Spaß zu haben. Zeigt Spontanität und die Fähigkeit, vom eigenen inneren Stress loszulassen.
Negative Bereiche
ÜberarbeitungÜberarbeitet sich durch den Versuch, das eigene Gefühl der Nutzlosigkeit auszugleichen. Hat Schwierigkeiten dabei, sich zurückzulehnen.
FaulenzenVerfügt möglicherweise nicht über den Willen, sich fordernden Situationen zu stellen und zieht sich dann in ein passives Leben zurück, bei welchem sie faul vor sich hinleben.
Ein Ungleichgewicht in diesen Bereichen kann zu Eifersucht in andere und zu betrügerischem Verhalten führen; im schlimmsten Falle zu panischen Reaktionen zu schwierigen Situationen.
Verwendete Literaturen
- The Enneagrams of the Divine Forms: Perfect, Eternal, Unchanging Truths. - Oscar Ichazo
- The Enneagrams of the Fixations: The Original Teachings. - Oscar Ichazo
Alles auf dieser Seite wurde selbstständig von Advanced Personality verfasst.
